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Moving Motivators: Was Teams wirklich antreibt und wie du es nutzt

Zehn Karten, eine Reihenfolge, ein Gespräch: Die Moving Motivators zeigen, was Menschen wirklich antreibt – und was passiert, wenn sich etwas verändert. Warum das Tool mehr auslöst als jedes Motivationsposter.

Moving Motivators: Was Teams wirklich antreibt und wie du es nutzt

Zehn Karten liegen auf dem Tisch. Auf jeder steht ein Wort: Neugier. Status. Ordnung. Freiheit. Und dann kommt die Frage, die vieleTeams unterschätzen: „Was davon brauchst du, um morgens überhaupt Lust auf diesen Job zu haben?"

Genau darum geht es bei den Moving Motivators. Es ist eine Übung aus dem Management-3.0-Werkzeugkasten von Jurgen Appelo, und sie hat sich bei mir in den letzten Jahren als eines der wenigen Werkzeuge erwiesen, das in einem echten Teamgespräch tatsächlich etwas auslöst. Keine Folie, kein Motivationsposter. Zehn Karten, eine Reihenfolge, ein Gespräch.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Moving Motivators bestehen aus 10 Motivationskarten (CHAMPFROGS), die Sie nach persönlicher Wichtigkeit sortieren.
  • Es geht nicht um „mehr Motivation", sondern um die Frage: Was passiert mit meiner Motivation, wenn sich etwas verändert?
  • Die Übung dauert 30 bis 60 Minuten und lässt sich allein, im Team oder im Bewerbungsgespräch nutzen.
  • Der Nutzen liegt nicht in der Sortierung, sondern im Gespräch danach — deshalb braucht sie Moderation.
  • Sie ist kein Diagnoseinstrument und keine Motivationsgarantie. Wer sie als Bewertungsbogen einsetzt, zerstört sie.

Moving Motivators deutsch: Was hinter den zehn Karten wirklich steckt

Zehn Motivatoren, ein Akronym, das sich kaum aussprechen lässt: CHAMPFROGS. Dahinter steckt die Überlegung, dass Motivation keine einzelne Größe ist, sondern ein Bündel. Und dass dieses Bündel bei jedem anders sortiert ist.

Hier sind sie, mit dem, was in meiner Praxis jeweils wirklich gemeint ist:

Karte Was dahinter steckt Typisch zu hören
Neugier (Curiosity) Verlangen, Neues zu lernen und zu erkunden „Wenn ich nichts Neues lerne, bin ich weg."
Ehre (Honor) Werte, an die man selbst glaubt, sichtbar im Handeln „Ich will nicht für etwas arbeiten, das ich für falsch halte."
Akzeptanz (Acceptance) Dazugehören, so sein dürfen, wie man ist „Ich will mich nicht verstellen müssen."
Meisterschaft (Mastery) Etwas richtig gut können, Können wachsen sehen „Ich brauche das Gefühl, besser zu werden."
Kraft (Power) Einfluss darauf, was passiert „Ich will mitentscheiden, nicht nur ausführen."
Freiheit (Freedom) Selbst über Zeit, Ort und Vorgehen bestimmen „Ich hasse es, wenn man mir jeden Schritt vorschreibt."
Verwandtschaft (Relatedness) Gute Beziehungen zu den Menschen um sich herum „Die Kollegen sind der Grund, warum ich noch hier bin."
Ordnung (Order) Klare Regeln, Struktur, Vorhersehbarkeit „Ich brauche einen Plan, sonst werde ich unruhig."
Ziel (Goal) Ein Sinn, der über die Aufgabe hinausweist „Ich will wissen, wofür das Ganze gut ist."
Status (Status) Anerkennung und Position gegenüber anderen „Titel sind mir tatsächlich nicht egal."

Warum manche Karten schwerer fallen als andere

Status wird auffällig oft nach unten sortiert. Nicht, weil er unwichtig wäre, sondern weil es sich nicht gehört, ihn oben abzulegen. Ich habe das mehrfach erlebt: Dieselbe Person, die vor der Gruppe beteuert, Status sei ihr völlig egal, wird einen Monat später richtig grantig, als sie in einer E-Mail-Kette versehentlich in CC statt in die erste Zeile gesetzt wird.

Neugier und Meisterschaft landen dagegen fast immer weit oben, oft reflexhaft. Und dann kommt der Moment, in dem die Person merkt: Eigentlich will ich in diesem Job gar nicht mehr lernen, ich will einfach in Ruhe gelassen werden. Das ist unangenehm. Und genau deshalb funktioniert die Übung.

Woher die Motivatoren kommen

Appelo hat die zehn nicht erfunden, sondern zusammengesetzt. Die Idee, dass Autonomie, Kompetenz und Sinn die tragenden Motoren sind, stammt aus der Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan. Der Motivationspsychologe Steven Reiss hat ein deutlich größeres Set an Grundmotiven beschrieben. Daniel Pink hat in seinem Buch über Motivation die drei Größen Autonomie, Meisterschaft und Sinn populär gemacht.

Den eigentlichen Mehrwert bekommen Sie aber nicht durch die Theorie, sondern durch die Auswahl: Zehn sind genug, um ein Gespräch zu sortieren. Bei dreißig Motivationsdimensionen hätte ich irgendwann aufgehört, sie in meine Vorlagen zu kopieren.

Moving Motivators anleitung: So läuft die Übung ab

Sie brauchen zehn Karten. Fertig. Kein Account, keine Lizenzsoftware, keine Moderationswand.

Moving Motivators anleitung: So läuft die Übung ab

Variante 1: allein, fünfzehn Minuten

  1. Legen Sie alle zehn Karten offen vor sich hin.
  2. Sortieren Sie sie in eine Reihe, links das Wichtigste, rechts das Unwichtigste. Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt nur Ihre Reihenfolge.
  3. Notieren Sie die Reihenfolge — ein Foto reicht.
  4. Denken Sie an eine konkrete Veränderung, die gerade ansteht: neue Führungskraft, Umstrukturierung, neues Projekt, Umzug ins Homeoffice.
  5. Gehen Sie die Reihe von links nach rechts durch und verschieben Sie jede Karte nach oben oder unten. Frage jeweils: Hat diese Veränderung diesen Motivator stärker gemacht oder schwächer?
  6. Schauen Sie sich an, was jetzt links unten steht. Das sind Ihre wahrscheinlichsten Reibungspunkte.

Variante 2: im Team, 45 bis 60 Minuten

Erst jeder für sich, dann alle sichtbar machen, dann fragen. Diese Reihenfolge ist nicht verhandelbar. Wenn die erste Person laut sortiert, sortieren alle anderen nur noch mit.

Für die gemeinsame Runde gibt es zwei verbreitete Formate. Entweder klebt jede Person ihre Reihenfolge auf ein Board und es wird nach Gemeinsamkeiten und Ausreißern gesucht. Oder Sie machen den zweiten Teil als Gruppe: Eine anstehende Veränderung wird vorgestellt, dann wird gemeinsam diskutiert, welche Motivationskarten durch die Veränderung mutmaßlich nach oben oder unten gehen.

Die zweite Variante hat bei mir regelmäßig eine unangenehme Nebenwirkung: Sie deckt auf, dass eine geplante Entscheidung mehrere Personen an unterschiedlichen Stellen trifft. Ein Umzug in ein Büro mit Großraumbüro stärkt bei der einen die Verwandtschaft und schwächt beim anderen die Freiheit und die Ordnung. Dieses Ergebnis lässt sich nicht wegdiskutieren.

Als Moderationsregel gilt: Der Facilitator moderiert, bewertet nicht und hat möglichst keinen eigenen Hut in der Sache. Falls doch, macht es jemand anderes. Ich habe es mehrfach andersherum probiert und es ist mir jedes Mal um die Ohren geflogen.

Moving Motivators Karten kaufen: was es mit dem Material auf sich hat

Die Karten sind als physisches Set zu haben, gedruckt in einem Kartenspielformat. Es gibt sie in englischer Sprache, und es gibt deutschsprachige Ausgaben über verschiedene Anbieter. Falls Sie lieber mit einer Vorlage arbeiten: Sie können sich die Karten auch selbst drucken, die Vorlagen sind als PDF frei verfügbar.

Meine Meinung dazu: Kaufen Sie ein echtes Set, wenn Sie die Übung häufiger machen. Das Handanlegen an der Karte, das Verschieben, das Umdrehen — das ist ein Teil der Wirkung. Eine Liste auf einem Bildschirm hat das nicht. Ich habe das mehrfach mit einer Excel-Datei versucht, und die Beteiligung war jedes Mal spürbar niedriger. Für einen einmaligen Workshop reicht aber auch ein Ausdruck.

Moving Motivators beispiele: drei Situationen, in denen es richtig etwas bringt

Onboarding. Der Klassiker und der Grund, warum die Methode überhaupt Bekanntheit erlangt hat. Am Ende des ersten Monats, nicht am ersten Tag. Nach vier Wochen haben Sie eine halbwegs belastbare Vorstellung davon, wie Ihre neue Kollegin tickt. Direkt beim ersten Kaffee ist die Reihenfolge noch ein leeres Bekenntnis.

Moving Motivators beispiele: drei Situationen, in denen es richtig etwas bringt

Bewerbungsgespräch. Hier liegen die Chancen und die größten Fallen am nächsten beieinander. Wenn Sie im Vorstellungsgespräch Karten auf den Tisch legen und nach der Reihenfolge fragen, sagt Ihnen die Person die Reihenfolge, die ins Stellenprofil passt. Das ist keine Bosheit, das ist normal. Der ehrlichere Weg ist die Frage nach dem letzten Job: „Wenn Sie an den letzten Job zurückdenken — welche zwei Karten standen ganz weit links, und welche zwei standen ganz weit rechts?"

Umstrukturierung. Ein Reorg ist der Standardanlass. Ich habe zweimal miterlebt, wie eine Teamzusammenlegung mit den Moving Motivators begleitet wurde. Beim ersten Mal war das Ergebnis ein offenes Gespräch über die Reibungspunkte, beim zweiten Mal wurde das Board zum Beweisstück für ein Streitgespräch, das schon lange schwelte. Seien Sie darauf vorbereitet, dass Ihre Moderationsqualität über den Ausgang entscheidet, nicht die Methode.

Wann die Übung nicht passt

Wenn der Ausgang schon feststeht, lassen Sie es. Die Methode ist eine Einladung zur Ehrlichkeit, und wenn Sie diese Einladung aussprechen und dann übergehen, ist das schlimmer als kein Gespräch.

Und wenn Ihre Organisation Karten grundsätzlich für Teambuilding-Kram hält — dann fangen Sie nicht mit zehn Karten an, sondern suchen Sie sich eine Führungskraft, die es einmal ausprobiert.

Die unangenehmen Teile: Wo die Moving Motivators an ihre Grenzen kommen

Die Software-Tools, die im Umlauf sind, haben einen grundsätzlichen Nachteil: Sie machen die Sache effizienter und damit ein Stück weit wirkungslos. Das Format erzeugt Verbindlichkeit, weil die Karten auf einem Tisch liegen. Auf einem geteilten Bildschirm ist das nicht dasselbe.

Es gibt außerdem eine zweite Schwierigkeit, die ich anfangs unterschätzt habe. Die Sortierung ist nicht stabil. Die Reihenfolge, die eine Person am Freitagnachmittag legt, kann zwei Wochen später eine andere sein. Das ist kein Fehler, aber Sie sollten nicht daraus ableiten, Sie hätten die Person nun verstanden. Genau das passiert aber regelmäßig.

Drittens: Die zehn Karten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wer „Sicherheit" auf der Hand hat, findet keine Karte. Wer Anerkennung braucht, wird sie bei Status verorten und sich damit unwohl fühlen. Solche Lücken sind nicht immer nur ein Detail — sie sind manchmal der Punkt.

Was bleibt

Die Moving Motivators sind kein Motivationswerkzeug. Sie sind ein Gesprächsanlass, der dadurch funktioniert, dass er eine informationelle Lücke erzeugt: Man weiß vorher nicht, welche Karten wo landen — und beim Betrachten der eigenen Reihenfolge weiß man es über sich selbst oft auch nicht.

Wenn Sie die Übung einmal mit einem Team gemacht haben und danach eine Entscheidung anders treffen, hat sie ihren Zweck erfüllt. Wenn Sie danach nur schönere Folien haben, nicht.

Was ich mich in letzter Zeit häufiger frage: Ob die zehn Karten aus einer Zeit stammen, in der die größte organisatorische Veränderung eine Umstrukturierung war. In Zeiten, in denen sich Jobprofile schneller verändern, als die Karten es abbilden können, ist vielleicht die eigentliche Übung, die Karten neu zu zeichnen.

Miriam Hahn

Miriam Hahn

Miriam Hahn ist als Journalistin seit rund zehn Jahren tätig. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen auf den Themen Finanzen und Immobilien sowie auf Frauen, Mode und Geschäftsleben. In dieser Zeit hat sie unter anderem über Geldanlagen, den Immobilienmarkt, Modetrends und weibliche Führungskräfte berichtet.

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